Wissenswertes für neugierige Gäste!

Das ehrwürdige Eckhaus, in dessen Erdgeschoss Sie es sich jetzt bei Speis`und Trank wohl ergehen lassen, kann auf eine rund 300jährige Geschichte zurückblicken.

Es wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts vom Kanzleiboten und Weißgerber Georg Ludwig Straubel im damals "Neue Neustadt" bezeichnetem Stadtviertel erbaut.Eine genaue Jahreszahl für die Fertigstellung des Gebäudes ist dem Standartwerk für Rudolstädter Bauhistorie, der berühmten Trincklerschen Häuserchronik, leider nicht zu entnehmen.

 

Die heutige Schillerstraße, die ihren Namen im Jahre 1887 zu Ehren des "liebend" gern in Rudolstadt und ins besondere oft im Nachbarhaus weilenden Dichters Friedrich Schiller erhielt, fällt auch in der Gegenwart noch durch ihre ausgeglichene und geradlinige Struktur auf. In ihrer Entstehungszeit gab es strenge und zugleich sehr moderne Auflagen. So mußten die Häuser gleich hoch und zwischen ihnen entsprechende Feuergassen angelegt sein. Die auf der Westseite stehenden Gebäude sollten keine dunklen Höfe sonder Hausgärten haben, deren Einfriedung bestimmungsgemäß mit lebenden Zäunen, also Sträuchern und kleinenBäumen zu erfolgen hatte. Auch die Neue Gasse, wie sie seit 1767 hieß, so breit gebaut, das Pferdefuhrwerke großzügig einander ausweichen konnten.

 

Das Haus Nr. 21 weist natürlich eine wechselvolle Besitzergeschichte auf. Über einengrößeren Zeitraum, rund hundert Jahre lang, ist sie allerdings mit dem Namen derer von Brockenburg verbunden. Im November 1775 erwarb Oberberg- und Kammerrat Christian Albert Günter von Brockenburg das Gebäude, welches fortan in der Familie weiter vererbt wurde. Bekanntester Bewohner dieser Zeit war wohl der Oberschlosshauptmann, seine Exzellenz Christian August vo Brockenburg, der im Jahre 1808 auf Befehl Napoleons ein aus Schwarzburger und anderen Fürstenhäusern zusammengestellte Batallion nach Spanien führte und währen der Kämpfe dort in englische Gefangenschaft geriet. Nach abenteuerlichen Umwegen über die Balearen-Inseln und Großbritannien konnte er erst 1814 in seine Heimatstadt zurückkehren. Berühmt war ebenso das Brockenburgsche Naturalien-Kabinett im Erdgeschoss, das auch Goethe mehrfach besichtigt habe soll.

 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann dann die gewerbliche Nutzung des Hauses, insbesondere des Nebegelasses.so befand sich hier die florierende "Klaviaturfabrik Reise&Krug", die Tastensysteme für die damals schlagartig auch bei wohlhabenden Bauern sehr begehrten Instrumente herstellte. Besitzerin des Gebäudes war sei 1896 Frau Heriette Reise. In den 20er Jahren gründete Sohn Karl Reise auf dem Grundstück eine Kunst-, Bau- und Maschinenschlosserei, die Nach dem Tod des späteren Obermeisters der Thüringer Schlosserinnung von dessen Witwe Martha geschäftlich weitergeführt wurde. Langjähriger Mitarbeiter der Reis`schen Firma und in den 50er und 60er Jahren auch Pächter und Inhaber des Handwerkbetriebes war Schlossermeister Walter Loth. Von ihm wurde die Werkstatt 1968 in die Hände seines Sohnes Karl-Heinz Loth gegeben, der hier im Hof bis  zum Jahre 2000 die Bauschlossertradition fortführte sowie so manches Gitter, Geländer und Tor für volkseigene Gebäude und private Eigenheime, Gärten und Hüttchen fertigte.

 

Erwähnung soll noch finden, dass neben einigen, nicht ganz unbekannetn Bürgern der Stadt, die das Schillerhaus 21 jüngst bewohnt haben, sich über viele Jahre hinweg im ersten Obergeschoss auch eine angesehene Schneiderwerkstattbefan, die von Frau Anneliese Schilling geführt wurde.

Seit dem Jahr 2001 gehören Gebäude und Grundstück nun der Familie Vroni und Bernd Moritz, die hier mit den entsprechenden Umbauarbeiten eine neue Gastwirtschaft einrichtete und am 4. Oktober 2006 eröffnete.

Seit dem 1. Januar 2010 wird die Gaststätte "Zur alten Schmiede"

vom Pächter Thomas Ruckruh mit Lebensgefährtin Heike Rosenbusch und Team betrieben.